Lesenacht 2016 in der Stadtteil- und Schulbibliothek Waldau

Das Märchen von den 18 tapferen Leseratten

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Es war einmal ein ganz gewöhnlicher Freitagabend am 12. Februar 2016. Das Schulgebäude der Offenen Schule Waldau stand friedlich und ruhig da, denn seine Schüler, Lehrer und Bediensteten waren schon längst nach Hause gegangen. Doch halt - wenn man genauer hinschaute, konnte man erkennen, dass in der Stadtbibliothek noch Licht brannte. Und nach und nach kamen Kinder die Treppe hinauf in den ´Büchersaal`, 18 an der Zahl, schwer bepackt mit Koffern, Schlafsäcken, Isomatten und allerlei Kuscheltieren. Sie wurden schon von Elke Paul, Lena Kurzawa und den Praktikantinnen der Schulsozialarbeit Marie Wolters und Evelyn Jüttke erwartet.
Wie von Zauberhand geführt fanden die Kinder sogleich einen Schlafplatz, den sie sich gemütlich herrichteten, kein Wunder bei den zahlreichen Nischen und Schlupflöchern zwischen den Regalen.

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´Bitte lese mich`, riefen die Bücher, denn nach kurzer Zeit befanden diese sich in den Händen einiger Kinder. Auch die Regale schienen den Kindern zuzurufen: ´Bitte renne mich nicht um, sondern um mich herum`. Das ließen sich die Kinder natürlich nicht zweimal sagen und freuten sich, die Bibliothek ganz für sich alleine zu haben.
Sowohl die Bücher als auch die Regale verstummten jedoch, als Frau Jansen  - ehemalige Lehrerin der Offenen Schule Waldau - den Raum betrat. Sie hielt ein großes Buch unter ihren Armen und alsbald versammelten sich alle Kinder um die geheimnisvoll aussehende Frau mit ihrem langen Mantel, die sich nicht scheute, die Kinder näher zu sich heranzulocken. War sie eine Zauberin?

 

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Das Licht ging aus und nur noch eine Stehlampe erhellte die Buchstaben und Illustrationen des großen Buches. Da begann Frau Jansen aus dem Buch vorzulesen. Die zuvor wild herumspringenden Kinder wurden sehr leise und lauschten gespannt einem Märchen, dessen Überschrift zuerst nicht verraten wurde. Der kleine Däumling ist zwar ein gewitztes Kerlchen, wurde aber trotzdem bald von den Kindern entlarvt. Das Märchen gefiel ihnen so gut, dass sie noch ein zweites hören wollten. So zogen die Abenteuer des tapferen Schneiderlein und seiner drei Söhne die Kinder ebenfalls in ihren Bann.

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Kaum war Frau Jansen verschwunden, wurden aus den offensichtlich verzauberten Geschöpfen wieder lebhaft tobende Kinder, die großen Spaß hatten, nur mit ihren Taschenlampen bewaffnet im dunklen Bibliothekssaal herumzuspringen, Fangen zu spielen oder einfach nur vorbeirennende Kinder zu erschrecken.
Je später es wurde, desto mehr Leseratten kamen zum Vorschein. Sie verkrochen sich - mit einem oder mehreren Büchern ausgestattet - in ihre Schlafecken. Nur noch ab und zu war ein Rascheln, hier und da ein Flüstern, zu hören. Manchmal sah man den Lichtstrahl einer Taschenlampe aufblitzen. Doch dann, was war das? Eine streunende Katze, die sich in der Bibliothek verirrt hatte? Aber nein, es war nur eine Leseratte, die sich auf allen Vieren den Weg zu einem neuen Buch bahnte. Nach Mitternacht schliefen dann auch die letzten Leseratten ein.

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Schon früh am Morgen erwachten die Kinder und fanden an der Stelle, an der sie gestern Abend gesessen und den Worten der Märchenvorleserin zugehört hatten, eine lange Tafel. Das musste das ´Tischlein-deck-dich` sein, von dem Frau Jansen ihnen erzählt hatte. Und tatsächlich, sobald die Kinder ihren Schlafplatz aufgeräumt hatten, füllte sich der Tisch mit allerlei Leckereien: Brötchen, Honig, Marmelade, Wurst, Käse, Säfte und vieles mehr. In gemütlicher Runde wurde gegessen und der Tisch leerte sich zügig.

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Viel zu schnell verging die Zeit, denn kurz darauf wurden die Kinder auch schon von ihren Eltern abgeholt. Und wenn sie nicht hätten heimgehen müssen, so würden sie bestimmt heute noch toben und lesen.
    
Evelyn Jüttke