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Naturbegegnung und aktiver Biotopschutz als Beitrag
zur Umweltbildung im Schulumfeld


Ein Angebot für den Wahlpflichtbereich (WPB)
Schüler des 9. und 10. Jahrgangs


1. Didaktische Reflexion


Wer natürliche Lebensräume (Biotope) verstehen und darüber hinaus in diesen aktiv werden möchte, für den bietet der oben angebotene Wahlpflichtkurs einen Einstieg in die aktive Naturbegegnung.
Biotope, denen wir unsere Aufmerksamkeit widmen wollen, sind Lebensräume ,,aus zweiter Hand", d. h. sie sind Folgeerscheinungen menschlicher Arbeits- und Lebensformen. Solche Biotope würden ohne menschliche Eingriffe wieder vom Wald zur zurückerobert werden, da wir hier ein Waldklima haben (weitere Ausführungen an späterer Stelle) Die Aufgaben, die wir für die einzelnen Biotope übernehmen können, sind so vielgestaltig, dass jeder naturinteressierte Schüler entsprechend seiner Neigungen und Fähigkeiten sein Betätigungsfeld finden kann.
Im Nahbereich unserer Schule - der Offenen Schule Waldau - sind die Sekundärbiotope, wie Wiese, Lebendhecke, Kalkschotterflora, Schulgartenteich (stehendes Gewässer), Sumpfgebiet u. a. zu finden. Weiter ist der Wahlebach (Fließgewässer) ein interessanter Lebensraum. Jedes dieser Sekundärbiotopebeinhaltet eine spezifische Lebensgemeinschaft vonPflanzen und Tieren (Biozönose).
Die Schüler sollen im Rahmen der originalen Begegnung mit den genannten Biotopen dieabiotischen und biotischen Faktoren erkunden, die die Zusammensetzung der Lebensgemeinschaften bestimmen bzw. beeinflussen. Aktiver Biotopschutz mit Schülern setzt die räumliche Nähe der Biotope und das Wissen um ökologische Zusammenhänge, d. h. über das Entstehen und die Veränderbarkeit der Lebensräume (Sukzession) voraus.
Nur in der originalen Begegnung mit den störenden Einflussgrößen auf das ökologische Gleichgewicht eines Systems, weil diese die Ökosysteme stabilisierenden Regulationsmechanismen überfordern, können Schüler selbst erfahren, welchen Gesetzmäßigkeiten das dynamische Gleichgewicht eines Ökosystems unterliegt.
Wenn das Wissen um solche Gegebenheiten Grundlage von handlungsorientierten Konzeptionen wird, gewinnt es an erzieherischem Charakter, denn nur dort, wo aus dem Wissen Aktionen erwachsen, verpflichtet es zur konkreten Verantwortlichkeit, Verlässlichkeit, zum Engagement und schafft emotionale Sensibilität.
Nur wo es zur emotionalen Einfärbung des erworbenen Wissens kommt, kann dieses in Seinsbereiche vordringen, die unser Verhalten bestimmen. Erst wenn das erarbeitete Wissen Verhaltensänderungen bewirkt, ist seinem Sinn, seinem innewohnenden Auftrag erst entsprochen worden, denn der ökologisch handlungs-orientierte Unterricht will nicht primär der intellektuellen Gedankenspielerei dienen, sondern das Verhältnis der Schüler - im Denken und im Handeln - in Richtung der Naturvorgänge/ Umweltschutz beeinflussen.
Parallel zu den eigenen Bemühungen in Sachen Biotopschutz wird zu den entsprechenden Aktionen auch die Zusammenarbeit mit hier am Ort ansässigen Naturschutzverbänden und entsprechenden Organisationen gesucht, um einerseits zusätzliches Erfahrungswissen und Arbeitsanregungen zu gewinnen, andererseits um zu lernen, mit anderen gleichgesinnten Menschen im Bereich Naturschutz / Umweltschutz zusammenzuarbeiten, da der Erfolg in diesem Bereich auch davon abhängig ist, dass die Bemühungen aller in diesem Sinne wirkender Menschen gebündelt, koordiniert und optimiert werden müssen. Dies setzt aber auch die Fähigkeit des sozialen Lernens und Miteinanders voraus, denn wer sich in diesem Bereich auf Kosten anderer, auf Ausgrenzung anderer profilieren will, verrät damit, dass ihm das Anliegen Natur nur sekundär etwas bedeutet.
Wer in Sachen Naturschutz/Umweltschutz ehrlich etwas bewegen will, der muss vor der ,,eigenen Haustür" beginnen, denn nur Anliegen, Probleme, die in unserer räumlichen Erreichbarkeit liegen, sind unseren Beobachtungen und Aktionen direkt und konkret zugänglich. Da Maßnahmen/Aktionen in den Biotopen Folgewirkungen nach sich ziehen, bleiben diese im Bewusstsein präsent, denn die Folgeerscheinungen der Aktionen sind wiederum Gegenstand weiterer Reflexionen, aus der weitergehende Aktionen folgen.
Wer seinen Elan im Bereich Naturschutz bzw. Umweltschutz nicht verlieren will, muss sich von vornherein des begrenzten Einflusses von Einzelaktionen bewusst sein. Durch diese sind lediglich punktuelle Erfolge zu erzielen. Eigentlicher Sinn dieser Aktivitäten ist es, Umweltprobleme zu erkennen und zu erfahren. Die Ursachen unserer heutigen Umweltprobleme sind u. a. in den veränderten Lebens-, Wohn- und Arbeitsbedingungen zu sehen, die zu einseitig auf das ökonomische und zu wenig auf das ökologische ausgerichtet sind. Nur in der Abstimmung des menschlichen Handelns mit ökologischen Grundprinzipien kann ein Weg aus der Umweltmisere gefunden werden. An den Symptomen zu kurieren hieße es, wenn wir Randbereiche unserer Lebenswelt zu Naturschutzgebieten erklärten, ansonsten aber im gleichen Stil weiter unsere Wohnungen bauen, unsere Produkte herstellen, weiter in steigendem Maße Abfälle produzieren und Lebensraum nach rein ökonomischen Prinzipien denaturieren. Durch Einebnen von Landschaften, Absenken des Grundwasserspiegels, Regulieren und Vorgabe des Profils eines Gewässers, Bau von Steinwüsten, was unsere Städte ja physikalisch sind, Zerschneidung von Lebensräumen durch mehr und mehr Straßen usw., verändern wir die Bedingungen und Faktoren, die unterschiedliche Lebensräume konstituieren.
In den letzten Jahren sind meist Randgebiete unserer Lebenswelt zu Naturschutzgebieten mit bestimmten Auflagen für menschliche Aktivitäten erklärt worden, damit in ihnen selten gewordene Pflanzen und Tiere vor der Ausrottung geschützt sein sollen. Doch muss gefragt werden, ob die Räume groß genug für die gefährdeten Lebewesen sind, und wie stark können Störungen (Freizeitaktivitäten) durch Menschen wirklich vermieden werden? Ich meine, wirklichen Sinn machen die Naturschutzgebiete nur dann, wenn in ihnen neue naturverträgliche und naturnutzende Lebens- und Arbeitsformen gefunden und eingeübt werden, die ein Neben- und Miteinander von Menschen und übriger Natur ermöglichen und wenn von den Naturschutzgebieten aus seltene Pflanzen und Tiere frühere Lebensräume wieder besiedeln können. Keinen Sinn machen diese Naturschutzgebiete aber dann, wenn wir sie von unserer Lebenswelt klar ab- und begrenzen, ihnen damit einen musealen Charakter verleihen, die lediglich die Funktion haben, unser schlechtes “ökologisches Gewissen zu beruhigen. Oder glauben wir ernstlich, dass wir uns in einer Welt einrichten können. in der Mitgeschöpfe an ungünstigen Lebensbedingungen verenden bzw. verschwinden.
Die Begegnung eines Biotops mit Schülern muss mit seiner Bestandsanalyse, also der Bestimmung des Istzustandes beginnen (nähere Ausführungen im nächsten Punkt). Die Bedingungen für den idealen Zustand eines Biotops ("Sollzustand") können aus der Fachliteratur u. a. Quellen erfahren werden.
Aus der Inbeziehungsetzung von ,,Ist-Zustand" und dem ,,Soll-Zustand" eines Biotops sind für die schulnahen Schulbiotope handlungsorientierte Konzeptionen mit einem Bündel konkreter Maßnahmen (s. nächster Punkt) zu erstellen. Nur in der selbsttätigen Auseinandersetzung mit der Natur können die Schüler eine ökologische Sensibilität und Bewusstsein entwickeln. So ist es wichtig, dass z. B. die schädigenden Auswirkungen menschlichen Freizeitverhaltens auf Biotope nicht gleichgültig lässt, wenn die Wasserqualität von Gewässern durch Entenfütterung, die Schilfzone durch Surfe, die Jungenaufzucht von Bodenbrütern, Kleinsäugern usw., durch Jogger gestört wird. Die Fähigkeit, ökologisch zu denken, beinhaltet, die in den einzelnen Biotopen vorkommenden Pflanzen und Tiere als Lebewesen zu begreifen, die in vielfältiger Weise in einem dynamischen Ganzen miteinander verknüpft bzw. vernetzt sind.


  • Erstellen von Versuchsreihen, mit Hilfe derer die Verrottungsgeschwindigkeit und der Hygienisierungsgrad von Kompostmaterial belegt wird.

  • Bau von Nistmöglichkeiten für Insekten, Vögel und Kleinsäuger und deren Ausbringung an geeignete Standorte.

Abschließend sei vermerkt, dass Schüler auch selbst gewählten Aufgabenstellungen nachgehen dürfen, wenn diese den vorgegebenen Kriterien entsprechen.

2. Angestrebte Oualifikationen bzw. Lernziele des Wahlpflichtbereiches


Schüler sollen:


  • singuläre und komplexe Naturerscheinungen mit phänomenologischen und naturwissenschaftlichen Methoden qualitativ und quantitativ bearbeiten und bewerten können

Beobachtungen und ermittelte Werte, d.h.

  • ausgewählte Parameter in ihrer ökologischen Bedeutung interpretieren können

  • handlungsorientierte Konzepte für Beobachtungsreihen und Aktivitäten/Versuche mit den dafür entsprechenden Methoden entwickeln können

  • handwerkliche Fähigkeiten, den Einsatz von naturwissenschaftlichen Prüf- und Meßmethoden zwecks Realisierung von Vorhaben erlernen bzw. einüben.


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tagesrhythmus

 

 

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