Die Offene Schule Waldau trägt für weitere drei Jahre das Siegel „Digitale Schule“
Kultusminister Armin Schwarz und die Initiative „MINT Zukunft schaffen!“ haben am 17. September 2026 in Bensheim 42 hessische Schulen damit ausgezeichnet. Aus Kassel sind auch die Albert-Schweitzer-Schule und die Reformschule dabei. Herzlichen Glückwunsch an die Kolleginnen und Kollegen dort.
Wir haben das Siegel 2023 zum ersten Mal bekommen. Es gilt drei Jahre, danach muss jede Schule neu zeigen, was sie seitdem gemacht hat. Eine Jury prüft fünf Bereiche. Sie schaut auf den Unterricht, die Fortbildung der Lehrkräfte, die Zusammenarbeit mit Partnern, auf feste Konzepte und auf die Technik. Wir freuen uns, dass es wieder geklappt hat.
Was sich seit 2023 getan hat
Das große Thema der letzten Jahre war Künstliche Intelligenz. Am 16. September 2025 hat sich das ganze Kollegium einen Tag lang damit beschäftigt. Den Auftakt machte der Lehrer und Autor Bob Blume. Danach gaben vor allem eigene Kolleginnen und Kollegen Workshops. Es ging darum, wie man mit KI Arbeitsblätter vorbereitet, wie sich Prüfungen verändern, wenn Texte auf Knopfdruck entstehen, und wie KI im Sprachunterricht helfen kann. Seit dem Schuljahr 2024/25 haben alle Lehrkräfte Zugang zur Fortbildungsplattform Fobizz.
Die Universität Kassel hat 75 unserer Lehrkräfte zu KI befragt. Die meisten halten KI für ein nützliches Werkzeug, vor allem um Aufgaben besser an einzelne Kinder anzupassen. Die stärkste Zustimmung bekam aber ein Satz, der eine Grenze zieht. Eine KI kennt die Geschichte eines Kindes außerhalb des Computers nicht. Das deckt sich mit unserem Leitsatz „Beziehung vor Erziehung vor Unterricht“. KI soll uns Arbeit abnehmen, damit mehr Zeit für die Kinder bleibt. Dass diese Beziehungsarbeit ankommt, zeigt eine zweite Befragung der Universität mit 524 Schülerinnen und Schülern. Die meisten erleben ihre Lehrkräfte als wertschätzend und haben keine Angst, Fehler zu machen.
Aus demselben Grund legen wir Wert auf Dinge, die keine KI erledigen kann. In den Jahrgängen 5 und 6 ist inzwischen jede Klasse eine Profilklasse mit Bläsern, Darstellendem Spiel oder Gestaltung. Zusammen Musik machen oder Theater spielen lernt man nur miteinander.
Auch im Schulalltag ist einiges dazugekommen:
- Das Digitale Labor gehört fest zum Fach „Freies Lernen“ in Jahrgang 8. Dort wird mit 3D-Druckern, VR-Brillen, Lasercutter, Stickmaschine und programmierbaren Drohnen gearbeitet.
- Unsere Robotik-AG war beim RoboCup-Deutschlandfinale 2024 und bei den German Open 2025 in Nürnberg am Start.
- In der Berufsorientierung schauen sich Jugendliche mit VR-Brillen Ausbildungsberufe an, zum Beispiel bei KasselWasser.
- Für Dateien gibt es jetzt Nextcloud, als digitale Pinnwand edumaps.
Seit 2024 betreut die Stadt Kassel unsere IT, und ein Mitarbeiter der Stadt hat sein Büro direkt bei uns im Haus. Dass Hilfe vor Ort ist, merken wir sofort, wenn mal etwas hakt.
Was wir uns vornehmen
Die Schülerbefragung zeigt auch eine Schwäche. In den Jahrgängen 7 und 8 lassen die Lust am Lernen und das Gefühl nach, mitentscheiden zu können. Hier wollen wir digitale Werkzeuge gezielter einsetzen. Lernprogramme wie Bettermarks zeigen jedem Kind, welche Schritte es schon beherrscht und woran es als Nächstes arbeiten kann. Wer seinen eigenen Fortschritt sieht, kann besser mitentscheiden, was er als Nächstes lernt. Genau das wollen wir in der Mittelstufe ausbauen.
Die größte Baustelle sind die Geräte. Längst nicht jedes Kind hat ein eigenes Tablet oder einen Laptop für die Schule. 2024 wollten wir gemeinsam mit den Eltern eine Tablet-Lösung für Jahrgang 8 aufbauen. Über 100 Familien waren bereit. Für andere war es finanziell nicht machbar. Wir wollen aber niemanden ausschließen, weil zu Hause das Geld knapp ist. Deshalb haben wir das Modell nicht auf alle Klassen ausgeweitet. Eine Pilotklasse arbeitet weiter mit eigenen Geräten, die Rückmeldungen werten wir gerade aus. Ein Teil unserer Schulgeräte ist alt oder defekt. Mit der Stadt sprechen wir über ein neues Leasingmodell, eine Zusage gibt es noch nicht. Große Hoffnungen setzen wir auf den Digitalpakt 2 und auf den Neubau, der 2028 fertig werden soll.
Außerdem schreibt die AG Digitalität gerade auf, welche digitalen Fähigkeiten Schülerinnen und Schüler in welchem Jahrgang lernen sollen. Fertig ist dieser Plan noch nicht, weil er davon abhängt, mit welchen Geräten gearbeitet wird. Unsere Regeln für Handys und private Tablets überarbeiten wir, weil immer mehr Jugendliche eigene Geräte im Unterricht nutzen.
Danke an die AG Digitalität unter der Leitung von Philipp Schleicher, an das ganze Kollegium, an die IT der Stadt Kassel und an alle Eltern und Partner, die diese Arbeit mittragen.
Pascal Berkenheger
Schulleiter
